Dinslaken: Beziehungsarbeit in neuen Räumen

Im Johannahaus Dinslaken eröffnete die EFL ihre neuen Räumlichkeiten mit (v.l.): Dechant Wilhelm Kolks, Andrea Stachon-Groth (Leiterin EFL im Bistum Münster), Carolin Schlütter (Leiterin EFL Dinslaken / Wesel), Bürgermeisterin Michaela Eislöffel und Festredner Prof. Dr. Agostino Mazziotta

Ehe-, Familien- und Lebensberatung des Bistums Münster eröffnete neue Räumlichkeiten in Dinslaken

Beziehung: Dies war der zentrale Begriff einer Fach- und Kooperationsveranstaltung, mit der jetzt die neuen Räumlichkeiten der Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) Dinslaken / Wesel im sanierten Johannahaus in Dinslaken offiziell eröffnet wurden. Netzwerkpartner (u.a. Kinder- und Jugendhilfe, Gesundheitssektor und pastoraler Raum) sowie Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft waren der Einladung gefolgt.

2024 wurden 400 Personen beraten

EFL-Stellenleiterin Carolin Schlütter erinnerte an die besondere Beziehung der Beratungsstelle zum Standort Dinslaken, wo 1969 die Arbeit aufgenommen wurde. Viele Jahre war die EFL im Johannahaus untergebracht, an diesen pastoralen Ort kehrte sie nach den umfangreichen Umbauarbeiten jetzt zurück. Für diese Möglichkeit dankte Carolin Schlütter der katholischen Kirchengemeinde St. Vincentius. Aktuell umfasst das Team der EFL Dinslaken / Wesel sieben Mitarbeiterinnen. Im Jahr 2024 nahmen knapp 400 Personen in über 1000 Kontakten das Angebot in Dinslaken in Anspruch. Die Beratung ist kostenlos und erfolgt unabhängig von der Religionszugehörigkeit für Familien, Paare und Einzelpersonen.

Stellenleiterin Carolin Schlütter betonte, insbesondere vor dem Hintergrund der immer komplexeren Anliegen der Klientinnen und Klienten sei die Netzwerkarbeit ein zentraler Baustein der EFL-Arbeit.

Vielfalt als Bereicherung

Dies unterstrich Andrea Stachon-Groth, Leiterin der Ehe-, Familien- und Lebensberatung im Bistum Münster. So werde die Einrichtung der Vielfalt der Beziehungsformen, die dem Team in der täglichen Arbeit begegnet, gerecht. Sie betonte: „Menschen in Krisen brauchen Orte, an denen sie gehört werden, an denen sie professionelle Unterstützung erfahren, an denen sie so angenommen werden, wie sie sind, und Wertschätzung erfahren.“ Stachon-Groth warb dafür, Vielfalt als Bereicherung und Chance zu sehen. Dies sei die Alternative zu „autoritärer Eindeutigkeit oder gleichgültiger Bedeutungslosigkeit“. Dafür brauche es die Kompetenz zu „Aushandlungsprozessen“ in Familie, Politik und Kirche. Bei Erlangung dieser Kompetenz unterstütze die EFL die Ratsuchenden, so die Verantwortliche des Bistums Münster.

„Wundervolle Arbeit“

In Grußworten hoben Dinslakens Bürgermeisterin Michaela Eislöffel und Dechant Wilhelm Kolks die Bedeutung der EFL hervor. Eislöffel betonte, deren „wundervolle Arbeit“ trage zum Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft bei, indem sie Schutz- und Möglichkeitsräume biete. Kolks nannte die EFL einen „wichtigen Teil der Seelsorge“ und sagte mit Verweis auf das biblische Gleichnis vom barmherzigen Samariter, sie nehme „innere Nöte“ der Menschen wahr.

Fachvortrag: „Liebe, wie sie dir gefällt“

Ein Schwerpunkt der EFL Dinslaken / Wesel ist die Beratung im Kontext von LSBTI. Zu diesem Thema hielt Prof. Dr. Agostino Mazziotta anlässlich der Fachveranstaltung einen Vortrag mit dem Titel „Liebe, wie sie dir gefällt – Vielfalt leben, Normen hinterfragen“. Der Professor für Diversität und Community Work an der Fachhochschule Münster sagte, Beziehung sei „ein Grundbedürfnis des Menschen“. Wer in Beziehung lebe, lebe länger und gesünder. Der Referent nannte drei zentrale Merkmale der Liebe: Intimität, Leidenschaft, Verbindlichkeit. Dabei prägen laut Mazziotta Normen das Bild von Liebe; wer davon abweiche, erfahre oft Abwertung und Ausgrenzung. Aktuell finde ein Wertewandel hin zu mehr Vielfalt statt, sagte der Referent und nannte als Beispiel die „Ehe für alle“. Mazziotta betonte, die Gruppe der schwulen, lesbischen, trans- oder bisexuellen Menschen sei „keine Randgruppe“. Untersuchungen in den USA hätten ergeben, dass sich knapp zehn Prozent damit identifizierten, insbesondere unter den jungen Menschen ab dem Jahrgang 1997. Der Professor gab den Rat, Menschen nicht in Kategorien einzuordnen. „Sexualität ist plural, verspielt, flexibel und fluide“, so der Experte für Beziehungen.

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Die Beratung ist kostenlos und steht allen erwachsenen Menschen offen. Unser Beratungsangebot wird zum überwiegenden Teil durch das Bistum Münster finanziert. Das Land NRW und viele Städte und Gemeinden geben einen Zuschuss. Zur Aufrechterhaltung des Angebots sind wir auch auf Unterstützung durch Spenden angewiesen.

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Im Rahmen der STAR_T Familienstudie untersucht die Universität Heidelberg derzeit die Wirksamkeit eines Online-Trainings für Paare mit Konflikten auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der ganzen Familie.   Interesse? Nähere Informationen dazu finden Sie hier und auf der Website der Universität Heidelberg

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